In Andenken an Saeb Erekat​

von Ziad Abu Zayyad

Während wir mit Arbeit überschüttet wurden, um diese Ausgabe des Palestine-Israel Journal in den Druck zu bringen, wurden wir mit der traurigen Nachricht schockiert, dass unser Freund Saeb Erekat nach einem heftigen Kampf gegen COVID-19 im Hadassah-Krankenhaus in Westjerusalem verstorben ist. Saeb hatte sich eine Woche zuvor mit dem Virus infiziert, es jedoch vorgezogen, wie viele seiner palästinensischen Mitbürger, unter ärztlicher Behandlung zu Hause zu bleiben. Erst nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte, wurde er in ein israelisches Krankenhaus gebracht.

   Saeb hatte sich drei Jahre zuvor in den USA einer erfolgreichen Lungentransplantation unterzogen, die ihn jedoch mit einem hohen Risiko für COVID-19 belastete. Trotz des Ratschlags vieler seiner Freunde zögerte er, das Tempo seiner Arbeit zu verlangsamen. Und wie er mir einmal sagte, als ich ihn bat, sich nach der Transplantation nicht zu verausgaben: „Meine Arbeit ist mein Kapital. Ich habe das Gefühl, dass ich lebe, weil ich dazu in der Lage bin. “

   Saeb war ein starker Unterstützer des Palestine-Israel Journal und sah große Bedeutung in dem, was wir tun, um den Frieden voranzutreiben, den Dialog zu fördern und Fragen im Zusammenhang mit den Verhandlungen auf dem (Verhandlungs)-Tisch zu halten. Er lehnte niemals eine Anfrage ab als Redner bei einer öffentlichen Veranstaltung aufzutreten, die wir organisierten; einen Artikel zu schreiben oder ein Interview zu geben. Sein Tod ist ein persönlicher Verlust für uns, und wir werden uns immer an ihn erinnern und seine Abwesenheit spüren.

   Wir konnten keine ehrlicheren und aufrichtigeren Worte finden, um ihn zu beschreiben als die des ehemaligen spanischen Außenministers Miguel Angel Moratinos, der Saeb während der Madrider Friedenskonferenz im Oktober 1991 kennenlernte und seitdem mit ihm in Kontakt blieb:

Über Saeb Erekat zu schreiben bedeutet, über Frieden und Verhandlungen zu schreiben. Über Hunderttausende von Stunden, die ausschließlich der Erreichung des Friedens durch diplomatische Verhandlungen gewidmet sind. Der Persönlichkeit dieses Palästinensers aus Jericho sind drei Konzepte in Fleisch und Blut übergegangen: Frieden, Gewaltlosigkeit und Ehrlichkeit.

     Die palästinensische Geschichte hat viele Führer in ihre Annalen eingeschrieben, aber Saeb wird zweifellos einen außergewöhnlichen Platz einnehmen wenn es darum geht, seine Anstrengungen, seinen Willen und seine Entschlossenheit zu beschreiben, um mit seinen israelischen Gesprächspartnern und Freunden eine Verhandlungslösung zu erreichen.

    Es würde viel mehr Zeit und Raum brauchen, um sich an die vielen Beiträge von Saeb Erekat im Nahen Osten zu erinnern. Einige israelische Freunde, die verzweifelt nach Saebs Witz und seinen dialektischen Fähigkeiten suchten, gingen sogar so weit, ihn zu karikieren: „Der Unterhändler, der mit sich selbst verhandelt“, sagten sie über ihn. Seine Besessenheit und seine Vision war es, zum Aufbau eins modernen, demokratischen, gerechten und gemäßigten Palästinas beizutragen, das in Frieden und Sicherheit mit Israel leben kann. Zuweilen wurde er auch für seine Hartnäckigkeit kritisiert, grundlegende, aber wesentliche Prinzipien zugunsten der palästinensischen Rechte detailliert zu verteidigen, ohne zu verstehen, dass er dies tat, um die Nachhaltigkeit eines Abkommens mit Israel sicherer zu gewährleisten und so unbeabsichtigte Konsequenzen zu vermeiden – für die Zukunft.

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Saeb und sprechen der palästinensischen Führung, dem palästinensischen Volk sowie seiner Familie und seinen Verwandten unser aufrichtiges Beileid aus. Möge seine Seele in Frieden ruhen.

Ziad AbuZayyad

Palästinensische Journalistin

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