Palestinian Poetry

Von Mohammad al-As’ad  

Ein Lied

Wenn wir uns an Dinge erinnern

ertönt eine Saite.

Frauen alleine

spielen auf allen Saiten

Mit einem Schlag

weil sie die ganze Heimat sind.

Quelle: Anthologie der modernen palästinensischen Literatur.

Gedicht übersetzt von May Jayyousi und Jack Collom, S. 121.

 

Von Mai Sayigh

Elegie für Imm ‚Ali

Geh nicht weg!

Über die Entfernungen hältst Du unsere Feuer am Lodern,

Schicke Freude, entzünde unsere Träume

Weggehen war nie dein Stil; du warst immer

kurz vor der Ankunft

Jetzt schließen die Blumenverkäufer ihre Läden

unter dem Blitz und

die Dunkelheit bereitet sich darauf vor zu verschwinden

Diese Stadt, die du geliebt hast,

überfüllt mit Geschichte, Eisen und Wut,

mischt ihre Freude mit Müdigkeit

und droht in Vergessenheit zu geraten

Sie kauert sich über den neu geborenen Morgen

pflanzt Sterne in diese hoffnungsvolle Atmosphäre,

und unterdrückte ihre Tränen in den Liedern

Wie kannst du uns verlassen

ohne Abschied?

Du, der du deine Tränen immer unterdrückt hast

Von dir habe ich gelernt, wie Basilikum wächst

wie der Himmel herabsteigt,

um in deinen Armen zu ruhen

Du hast den Kummer weggewischt

von der Stirn!

Von dir habe ich gelernt, wie das Herz ein Stück

lebende Kohle sein kann, eine brennende Blume

Nun öffnet die Würde deines großen Todes Wunden,

dass sogar Bäume bluten und Gedichte.

Quelle: Anthologie der modernen palästinensischen Literatur.

Gedicht übersetzt von May Jayyousi und Naomi Shihab Nye, S. 280-281.

 

Von Muhammad al-Dhahir

Das kleine Mädchen

Ich erzähle ihr:

Sprich mit mir – sie hält den Atem an

und zeichnet einen Kreis des Leidens

einen Kreis von Soldaten

einen Kreis von Waffen

Sie lässt ihre seilartigen Zöpfe herunter

Ich erzähle ihr:

Rolle meinen Körper

Reise in meiner Handfläche

und gib mir ein Zeichen

Sie sieht mich an wie ein kleines Kind,

öffnet ihr Album,

zeigt auf die Karte der großen arabischen Heimat

die Namen der Stämme in Blut geschrieben

Ich erzähle ihr:

Zeichne einen Mond als Beweis

Sie knallt ihr Album zu

und tritt in mich ein, um unter meinen Rippen zu schlafen

Es kommt eine Truppe Kinder heraus,

ein Strauß Weizenstiele,

Und ihre Stimme flüstert:

– Alle anderen außer dir sind Feinde

und jeder Gott außer dir, ein Eindringling

Quelle: Anthologie der modernen palästinensischen Literatur.

Gedicht übersetzt von May Jayyousi und Naomi Shihab Nye, S. 162.

Mohammad al-As’ad

Mai Sayigh

Muhammad al-Dhahir

Palästinensische Journalistin

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