Die Drei-Staaten-Lösung: Frauen bauen die Welt von Morgen

Ina Darmstädter

Eine Krise in eine Chance verwandeln

Würde, Freiheit, Gleichheit, Wohlstand und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben sind Bedürfnisse und Wünsche, die Frauen auf allen Seiten der Grenzen teilen. Die Sehnsucht nach Frieden und ein Ende der Gewalt und des Hasses, die die Medien, die Politik und die privaten Gespräche durchdringen, ist weitgehend das Anliegen der Mehrheit der Frauen in Israel und Palästina. Einige von ihnen haben beschlossen, einen eigenen Plan zum Aufbau einer nachhaltigen Gesellschaft zu entwickeln, der auf den Säulen von Nachhaltigkeit und Empathie basiert.

     Frauen sind oft nicht an den volkswirtschaftlichen, wirtschaftlichen, militärischen und politischen Planungen ihrer Gesellschaft beteiligt. Diese „harten Themen“ werden klassischerweise von Männern besetzt, die sich als Experten verkaufen. Welche katastrophalen Auswirkung aus Selbstüberschätzung, Inkompetenz, Habsucht oder Verblendung erwachsen, lässt sich an der verheerenden Zahl von Kriegs- und Konfliktgebieten, an Hungerindizes, Vergewaltigungsquoten oder Klimakatastrophen ablesen.

Die Gestaltung einer Gesellschaft darf nicht den Lautstarken und Durchsetzungsfähigsten überlassen bleiben, sondern sollte auf der Expertise, den Idealen, den positiven Charaktereigenschaften und kreativen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Fähigkeiten seiner Mitglieder aufbauen.

Denn wie wird es sonst am Tag nach einem Friedensvertrag für Israelis und Palästinenser aussehen? Welche Kräfte werden wirken? Wie schnell werden finanzstarke Investoren die vermutlich wertvollsten Grundstücke der Welt in und um Jerusalem aufkaufen ( und die Preise in die Höhe treiben ) Wie schnell werden die Gasfelder vor Gaza von internationalen Unternehmen erschlossen und an die Europäischen Pipelines angebunden ( und die Profite an die internationalen Aktionären verteilen)  ? Wie schnell werden die Glasfaserkabel von Google und co. vom Mittelmeer zum arabischen Raum verlegt – oder andere Geschäfte über zig Milliarden Dollar getätigt, von denen die israelischen und palästinensischen Menschen bestenfalls in Zeitungsberichten Kenntnis gewinnen? Wie schnell werden heute selbständige Palästinenser arbeitslos, wenn sich internationale Dienstleistungs- und Handelskonzerne über das Land erstrecken? Wie lange wird es dauern, bis eine Armutswelle eine ganz andere Realität der Würdelosigkeit und Abhängigkeit schaffen wird, als die der Militärkontrolle durch Israel? Natürlich wird nach einer Privatisierung öffentlicher Güter auch Nutzen für die Gemeinschaft entfaltet – aber in welcher Relation?

Neben einem gleichberechtigt verhandelten und auf dem Völkerrecht basierendem politischen Frieden muss ein nachhaltiges Wirtschafts – und Sozialkonzept erarbeitet werden, dass durchdacht, strukturiert, partizipativ und den gegenwärtigen Entwicklungsständen der Regionen entspricht.

 Das Canaan Project ermöglicht israelischen und palästinensischen Frauen Begegnungen zur strategischen Ausarbeitung von Perspektiven und Visionen auf Basis der UNSCR 1325, um sie zu ermutigen, ihren Platz an den Verhandlungstischen und den Einbezug in die relevanten wirtschaftlichen Weichenstellungen einzufordern.

     Im letzten Workshop zum Thema „Wie will ich in Zukunft leben?“ füllten sich die Flipcharts schnell mit einer evolutionären Alternative zur heutigen Realität.

Demokratie 3.0 – Menschenrechte, Mitbestimmung, Weitsicht

Wir brauchen einen Staat – eine Gemeinschaft – in der wir nicht nur ohne Angst leben können, sondern auch unser Potenzial und unsere Möglichkeiten erkennen können. Wir brauchen eine Gemeinschaft, in der wir trotz unserer Unterschiedlichkeit kooperativ, sinnvoll und kreativ zusammenleben können. Wir wollen sichere Einkommen erzielen, ohne ausgebeutet zu werden oder auszubeuten, wir brauchen eine gesunde Umwelt, in der wir uns ernähren können, ohne das Gleichgewicht zu stören, wir brauchen ein Gesundheitssystem, das Forschung und Behandlung nicht auf Wirtschaftlichkeit ausrichtet, und wir brauchen ein Bildungssystem, das unseren Kindern auch humanistische Werte vermittelt. Wir brauchen gesundes Wohnen, Kinderbetreuung, Sicherheit und echte Demokratie. Wir brauchen künstliche Intelligenz – aber mehr als das brauchen wir eine Erweiterung der menschlichen Intelligenz.

Die Drei-Staaten-Lösung

Wir planen ein Gebiet aus israelischen und palästinensischen Gebieten als Modellstaat, der Lösungen für praktische offene Fragen des Konflikts bietet und gleichzeitig ein Kompetenzzentrum für empathische Politik, Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien, sanften Tourismus und sozial-ökonomische Startups darstellt. Ein Ort zum Leben, aber auch ein internationaler Treffpunkt für Wissen und Technologie für die nächsten Generationen ist. Das bedeutet Tausende von sinnvollen Arbeitsplätzen, angemessene Lebenshaltungskosten, gesunde Umwelt, Bewusstsein- und Friedensschaffung, Heimat für Flüchtlinge und Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft.

Theodor Herzl hatte sich bereits einen Wasserkanal durch Palästina vorgestellt, an dessen Ufern Menschen aller Glaubensrichtungen und Nationalitäten nach Glück streben könnten. Heute, in Zeiten, in denen vulgäre politische Populisten und Extremisten eine kriegerische Sprache und Feindbilder pflegen, erscheint schon der Ausdruck „Streben nach Glück“ utopisch. Dabei geht es um Motivation, Willenskraft und die Gewinnung von Unterstützern, um eine solche Utopie in die Realität umzusetzen.

     Die Idee ist, einen von der internationalen Gemeinschaft unterstützten Modellstaat (jüdisch-palästinensisch) zwischen Gaza und dem Toten Meer zu errichten und Dörfer an den Ufern des Kanals aufzubauen, die generationsübergreifenden Wohnraum, ökologische Stadtplanung, regenerierbare Energien, Ausübung von Handwerk, cradle to cradle Produktionsstätten, innovative Technologie, humanistischer Wissenschaft, und schliesslich einen Friedenscampus  Platz bietet..

Eine Universität für Menschenrechte und Nachhaltigkeit wird Pioniere jeden Alters anziehen, ein Frauensicherheitsrat wird eine permanente Institution mit beratendem Status der Vereinten Nationen, Klima Start-ups werden der Antagonist zum Silicon Valley und nachhaltiger Tourismus wird Arbeitsplätze für Menschen unabhängig von ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit schaffen.

     Über einen Kanal – wie den Suezkanal – wird Wasser aus dem Mittelmeer als Energiequelle und als Quelle für Entsalzungsanlagen genutzt, die an beiden Ufern Produkte aus biologischem Anbau liefern Gaza und das Westjordanland werden in einer neuen Verbindung einen zusammenhängenden Staat für Palästinenser bilden. Nord- und Südisrael werden durch Wasser, das Lebenselixier aller Wesen, verbunden bleiben, genau wie in Herzls Vision von einer jüdischen Heimstatt in Palästina beschrieben. Dieses Friedensprojekt wird den Menschen helfen, miteinander in Beziehung zu treten, anstatt sie weiter zu trennen und zu spalten, und somit die Bewohner, die Staatengemeinschaft, Investoren und schließlich Besucher anziehen, um einen Paradigmenwechsel einzuleiten.

     Weltweit fühlen sich über 2 Milliarden Menschen mit dem Heiligen Land verbunden und repräsentieren potenzielle Pilger oder Besucher. Es gibt also ein spirituelles und wirtschaftliches Potenzial, das der Region zum Gedeihen verhelfen kann. Voraussetzung ist, dass politischer Frieden geschaffen wird und nicht die Asymmetrie von Macht, Stacheldraht, Militär, Mauern und Kontrollpunkten, die die aktuelle Realität prägen, weiter bestehen bleibt.

Durch Canaan wird die beeindruckende Kultur, die abwechslungsreiche und atemberaubend schöne Natur sowie die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der meisten Israelis und Palästinenser, die ihre Menschlichkeit inmitten dieses Konflikts bewahrt haben, greifbar. All dies wird, kombiniert mit einem intelligenten Designkonzept für den Miniaturstaat, auch die Aussicht auf den ersehnten Frieden, den Wohlstand und die Nachhaltigkeit für Israel / Palästina bringen.

Beteiligen Sie sich am Aufbau der Welt von Morgen

 Auf unserer Website www.canaanproject.org laden wir Sie ein, sich an der Entwicklung einer „Drei-Staaten-Lösung“ zu beteiligen. Ein Video zeigt in vier Minuten, wie die Schritte dorthin aussehen könnten. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg großer Visionen muss jedoch im eigenen Kopf entstehen: der Wechsel von „Konflikt“ zu „Lösung“

   Die Resolution 1325 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen fordert die Regierungen aller Länder auf, Frauen in allen Phasen der Prävention, Konfliktlösung und des Aufbaus der Gesellschaft gleichermaßen einzubeziehen. Die Summe aus Wissen, Kreativität, sozialen Fähigkeiten und dem Willen von Frauen, den nächsten Generationen ein gesundes und friedliches Leben zu ermöglichen, macht diese bahnbrechende Lösung zu einer transformativen. Es ist Zeit, sie umzusetzen.

Ina Darmstädter

CEO des Canaan-Projekts

Ina Darmstädter ist CEO des Canaan-Projekts, das alle demokratischen Regierungen der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auffordert, eine israelisch-palästinensische Friedenskonferenz im Rahmen der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates auszurichten oder zu unterstützen, und sie fordert das Recht der Frauen, in alle Phasen von Friedensprozessen einbezogen zu werden und unterstützt palästinensische und israelische Frauen bei der Entwicklung einer nachhaltigen Zukunftsstrategie.

Palästinensische Journalistin

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