Frauen sind die Lösung für eine friedliche und gerechte Zukunft

von Heidi Meinzolt

Meine besten Wünsche gehen zu Ihnen, den Frauen in Israel und Palästina, die mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und regionaler Experten für den Nahen Osten und Nordafrika (MENA) Möglichkeiten finden sollten, all Ihre Energien und Ihren positiven Geist in gemeinsamen Initiativen zusammenzuführen und so das Leiden zu beenden.

    Die Resolution 1325 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ist eine bahnbrechende Resolution, in der die unverhältnismäßigen Auswirkungen von Krieg und Konflikten auf Frauen und Mädchen und ihre entscheidende Rolle bei der Schaffung von Frieden anerkannt wurden. In 45% aller UN-Mitgliedstaaten und in der MENA-Region in Palästina, Jordanien, Libanon und Jemen wurden nationale Aktionspläne (NAP) verabschiedet.

   Nach 20 Jahren vieler fruchtbarer Debatten über die Umsetzung der Agenda für Frauen, Frieden und Sicherheit (WPS)[1] und der NAPs arbeitet die Zivilgesellschaft auf der ganzen Welt an einer kritischen Bewertung von Erfolgen, Defiziten und (neuen) Herausforderungen. Grundlage ist nach wie vor die Organisation umfassender und integrativer Prozesse der geschlechtsspezifischen Konfliktanalyse und der drei „P“ -Säulen: ‚Protection/Participation/Prevention‘ – Schutz / Partizipation / Prävention. In den letzten zwei Jahrzehnten haben Aktivistinnen gelernt, dass eine der Voraussetzungen den Krieg zu stigmatisieren darin besteht, den Anti-Militarisierungsdiskurs zu stärken.

 Es klingt doch logisch, dass jede Konfrontation (durch häusliche oder militärische Gewalt), die durch Dialog und Diplomatie vermieden werden kann, ein Gewinn für das Leben aller Bürger ist. Die Resolution 1325 befasst sich mit Gerechtigkeit und hat das Potenzial, das Bewusstsein für die tatsächlichen Bedürfnisse zu schärfen. Frauen, die sich für den Frieden einsetzen, definieren „Sicherheit“ anders als die meisten Männer. Sie versuchen, die menschliche Sicherheit wie Freiheit, Bildung, Zugang zu Nahrungsmitteln und Wasser sowie Gesundheit (einschließlich sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte) zu gewährleisten. Diese Logik ist bisher jedoch nur rhetorisch in die DNA von Politikern – und noch weniger in die von patriarchalischen und von Konflikten betroffenen Gesellschaften- eingegangen. Im israelisch-palästinensischen Kontext sind Menschenrechte (einschließlich Frauenrechte) schon aufgrund der Besatzung „echte“ Sicherheitsprobleme.

    Konfliktverhütung aus feministischer Sicht zielt darauf ab und ebnet den Weg für eine sinnvollere intersektorale Beteiligung an Friedensverhandlungen und -entscheidungen.

Prävention bedeutet, strukturelle Ungleichheiten zu bekämpfen und den Respekt für Menschenrechtsverteidigerinnen und Friedensstifterinnen in ihren lokalen Gemeinschaften und in einem äußerst schwierigen und emotionalen regionalen Kontext auch über formale Grenzen hinaus zu fördern. Prävention ist das Potenzial, Zusammenarbeit durch die Einrichtung gemeinsamer Frühwarnmechanismen wie fortlaufender grenzüberschreitender Kommunikation zu ermöglichen. Mit dem Einsatz von alternativen Medien, dem regelmäßigen Austausch mit internationalen Basis-Aktivistinnen und der Unterstützung von Institutionen und Regierungen ist dies möglicherweise die einzige Chance, dem Friedensprozess als Ganzes Flügel zu verleihen, um buchstäblich über die Mauern zu fliegen.

    Seit der Annahme der Resolution 1325 hat sich der normative Rahmen geändert: Frauen werden nicht mehr primär als Opfer von Krieg und Konflikten gesehen, sondern als Akteurinnen des Wandels; Frauen gelten jedoch in der Realität immer noch nicht als gleichberechtigte Partner in Entscheidungsprozessen, weil die patriarchalischen und nationalistischen Machtstrukturen ebenso weiterwachsen. Dies muss sich ändern. Frauen sind dafür bereit, vorwärts zu gehen.

    Für das nächste Jahrzehnt müssen sich unsere Bemühungen darauf konzentrieren, auf strukturelle Veränderungen hinzuarbeiten, um Systeme und Volkswirtschaften zu fördern, bei denen die Gleichstellung der Geschlechter, das Wohlergehen der Menschen, die Würde und der Lebensunterhalt Vorrang haben. Wir müssen sicherstellen, dass Frauen Miteigentümerinnen und Partnerinnen bei den Agenden sind, die sie und ihre Gemeinschaften unweigerlich betreffen, und dass Frauenstimmen in alle übergreifenden Themen und Debatten einbezogen und angehört werden. Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter sind nicht nur ein Teil von Frieden und Sicherheit, sondern untrennbar damit verbunden.

    Reiß die Mauern ein, in deinem Herzen und in der Realität! Die Zukunft der Menschheit muss gerecht sein – oder sie wird nicht stattfinden!

[1] http://www.peacewomen.org/why-WPS/solutions/resolutions https://blogs.lse.ac.uk/africaatlse/2020/07/08/transformative-women-peace-security-agenda-structural-inequalities-peacetime-violence/

 

Heidi Meinzolt

Heidi Meinzolt ist Vorstandsmitglied für Europa in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (WILPF).und Mitglied im Bündnis 1325

Palästinensische Journalistin

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